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Aktuelles Heft: Offenes Heft - Editorial

Nr. 2/ 2018 ist ein »offenes Heft« ohne Schwerpunktthema.

Elke Rajal thematisiert in ihrem Beitrag »Mit Bildung gegen Antisemitismus?« Möglichkeiten und Grenzen antisemitismuskritischer Bildungsarbeit mit dem Ziel, dafür sinnvolle und erfolgversprechende Perspektiven herauszuarbeiten. Ausgehend von Überlegungen, inwiefern Antisemitismus ein Bildungsproblem darstellt, vermittelt die Autorin einen Überblick über die gegenwärtige Vermittlungsarbeit in Österreich zum Themenfeld Antisemitismus in Schule, außerschulischer Jugendarbeit sowie Erwachsenenbildung und identifiziert in diesem Zusammenhang einige Fallstricke in der Bildungsarbeit zum Thema Antisemitismus. Abgeleitet von der Formulierung normativer Definitionsmerkmale präsentiert Rajal abschließend Anregungen für praktische antisemitismuskritische Bildungsarbeit, die sie insbesondere in Aus-einandersetzung mit sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen in der Tradition der Kritischen Theorie gewonnen hat.

Franz Seifert setzt sich in seinem Artikel mit dem Politikfeld Nanotechnologie auseinander. Er arbeitet gestützt auf die Analyse internationaler Literatur und ein eigenes laufendes Forschungsprojekt heraus, wie sich ausgehend von den USA im Laufe der 2000er-Jahre ein »Technologiehype« (eine durch überschießende Zukunftsversprechen geprägte diskursive Konstruktion) entwickelte und wie sich im Politikfeld Nanotechnologie dialogische Praktiken teilnahmeorientierter Demokratie herausbildeten, die Seifert mit einer »deliberativen Wende« charakterisiert: Diese Praktiken werden konkret anhand von Entwicklungen in Großbritannien, Frankreich und Deutschland analysiert. Die Schlussfolgerungen setzen sich nochmals mit dem Phänomen eines »Technologiehypes« auseinander und thematisieren offene und kontroverse Fragen und Aspekte, die sich im Zuge des Trends zu deliberativer Beteiligung für die Demokratisierung des Nanotechnologiefeldes ergeben.

Mit biographischen Erzählungen zu Persönlicher Assistenz, einer Form der Unterstützung behinderter Personen, die NutzerInnen eine selbstbestimmte Lebensführung ermöglichen soll, befasst sich der Artikel von Tobias Buchner. Der Autor analysiert Österreich-bezogene Ergebnisse eines international vergleichenden qualitativen Forschungsprojekts und arbeitet anhand ausgewählter Fallpräsentationen biographische Relevanzen, Erfahrungen des Zugangs zu Persönlicher Assistenz sowie deren Auswirkungen auf Selbstentwürfe von AssistenznehmerInnen in Relation zu Behinderung heraus. Die Ergebnisse werden abschließend in Bezug zum bisherigen Forschungsstand und zu den auch für Österreich bindenden normativen Vorgaben der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen gesetzt und interpretiert.

Eine quantitative und qualitative Analyse von Einschätzungen der subjektiven sozialen Position der ÖsterreicherInnen im Zeitraum 1993 bis 2016 ist Thema des Artikels von Anja Eder, Markus Hadler und Markus Schweighart. Die Au-torInnen untersuchen ausgehend von unterschiedlichen sozialen Schichtungstheorien auf Basis repräsentativer Umfra-gedaten des Sozialen Survey Österreichs und des International Social Survey Programmes sowie einer ergänzenden Analyse qualitativer Interviews, welche Faktoren die subjektive soziale Position der ÖsterreicherInnen beeinflussen. Sie kommen in ihrer Analyse der Befunde zum Schluss, dass vor allem sozioökonomisch benachteiligte Befragte ihre soziale Position eher höher einschätzen, während sehr Vermögende ihre soziale Position eher nach unten nivellieren – im Summe fühlt sich demnach die Mehrheit der ÖsterreicherInnen der gesellschaftlichen Mitte zugehörig.

Herbert Csef beschäftigt sich in seinem Beitrag mit ausgewählten Aspekten der Resonanz auf die 2012 erschienene Roman-Trilogie von Erika L. James »Fifty Shades of Grey« und fragt nach deren möglichen Folgen für den gesellschaftli-chen Wandel von Sexualität. Der Autor erläutert dafür zunächst Theorien zum sozialen Konstruktionismus der Sexualität und Ansätze einer psychoanalytischen Theorie des Sadomasochismus, da es in der in »Fifty Shades of Grey« dargestellten Sexualität und Liebesbeziehung überwiegend um sadomasochistische Inhalte geht. Csef diskutiert danach zwei In-terpretationsansätze der israelischen Soziologin Eva Illouz und des deutschen Sexualwissenschaftlers Volkmar Sigusch, die die Resonanz auf die Roman-Trilogie veranschaulichen, und bietet anschließend einen knappen Überblick über weitere wissenschaftliche Arbeiten zu sexualwissenschaftlichen Aspekten des Sadomasochismus in Folge von »Fifty Shades of Grey« sowie zu derzeit offenen Forschungsfragen. Dimitri Prandner und Lena Raffetseder stellen schließlich in einer kurzen Dokumentation das 2016 gegründete ös-terreichische sozialwissenschaftliche Datenarchiv AUSSDA vor und erläutern die Angebote sowie die aus ihrer Sicht bestehenden Gründe und Vorteile für die Nutzung dieses Datenarchivs.