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Aktuelles Heft: OFFENES HEFT - Editorial

Margarita Wolf, Roland Verwiebe und Lena Seewann untersuchen in ihrem Beitrag, wo und wie sich individuelle Werthaltungen bilden. Die AutorInnen erörtern zunächst den theoretischen Hintergrund und Stand der Forschung zu Wertebildungsprozessen, bevor sie die methodische Konzeption und Datengrundlage ihres Mixed-Methods- Projekts an der Universität Wien erläutern: Die im Rahmen dieses Projekts durchgeführten Erhebungen umfassen sowohl explorative Fokusgruppendiskussionen in drei österreichischen Bundesländern als auch eine für Österreich repräsentative online- basierte Umfrage. Die vom AutorInnenteam präsentierten qualitativen und quantitativen Befunde verdeutlichen – im Unterschied zum bisherigen Forschungsstand –, dass sich individuelle Werthaltungen nicht nur im Rahmen der Sozialisation und in intendierten Vermittlungsprozessen (z. B. in Schulen), sondern in (zumindest) elf verschiedenen Lebens- und Erfahrungsbereichen bilden. Die AutorInnen plädieren abschließend dafür, künftig in Forschung und öffentlichen Debatten den komplexen Charakter von Wertebildung im Zuge eines längerfristigen gesamtgesellschaftlichen Prozesses zu berücksichtigen.

Anna Faustmann befasst sich mit der Rolle von Freizeitvereinen für die soziale Integration von MigrantInnen in Österreich. Vor dem Hintergrund integrationssozio- logischer Theorien und internationaler Forschungsergebnisse werden für Österreich sekundärstatistische Analysen des International Social Survey Programme (ISSP) zum Thema »Leisure Time and Sports« und des internationalen »Survey of Health, Ageing and Retirement« (SHARE) durchgeführt. Die Autorin kommt zum Schluss, dass Vereins- engagement grundsätzlich eine wichtige Rolle für die soziale Integration spielt, diese Integration allerdings bei Personen ohne Migrationshintergrund deutlich stärker aus- geprägt ist. Faustmann stellt zur Diskussion, dass dies mit stärkeren internen wie externen Ausgrenzungs- und Selbstselektionsmechanismen bei MigrantInnen zusammen- hängen könnte, und führt abschließend Vorschläge an, wie das integrationsförderliche Umfeld von (Freizeit-) Vereinen auch für MigrantInnen stärker nutzbar gemacht werden kann. Zudem plädiert die Autorin für zusätzliche spezifische qualitative wie quantitative Erhebungen, um den Forschungsstand zum Vereinsengagement von ZuwanderInnen zu verbessern.

Gunther Tichy setzt sich in seinem Beitrag »Wie gefährlich sind die Roboter?« gestützt auf internationale wie österreichische Literatur und Erhebungen mit den Ausprägungen und Folgen der Digitalisierung auseinander. Der Autor argumentiert, dass das Problem des Ersatzes menschlicher Arbeit durch Digitalisierung differenziert zu behandeln und zu bewerten ist: Digitalisierung führt demzufolge einerseits zu Freisetzungen von Arbeitskräften in bestehenden Industrie- und Dienstleistungsbranchen, andererseits kann sie auch neue Arbeitsplätze schaffen. Gravierender als die eventuelle Netto-Arbeitsplatzvernichtung durch Roboter sind für Tichy die gesellschaftspolitischen, insbesondere verteilungs- und sozialpolitischen Folgen der Digitalisierung. Der Autor erläutert daher ein Maßnahmenpaket im Rahmen einer umfassenden gesellschaftspolitischen Digitalisierungsstrategie, um nicht nur den arbeitsmarktspezifischen, sondern auch den sozialpolitischen Aspekten und Folgen der Digitalisierung zu begegnen: In diesem Zusammenhang besteht Tichy zufolge sowohl erheblicher gesellschaftspolitischer Gestaltungs- und Handlungsbedarf als auch das Desiderat nach weitergehender wissenschaftlicher Forschung.

Andreas Schober und Manfred Füllsack beschäftigen sich mit Text Mining in Stellenanzeigen als neuer Methode zur Arbeitsmarktforschung am Beispiel nachhaltiger Berufe, so genannter Green Jobs, in Österreich. Nach einem Überblick zur Begriffsdiskussion im Zusammenhang mit Green Jobs und einer Präsentation erster österreichweiter Befunde zur zahlenmäßigen Verbreitung dieser Berufe werden Methodik und Datengrundlage des Beitrags erläutert: Text Mining bezieht sich hier auf die Computer-automatisierte Textanalyse von Stellenanzeigen aus dem Internet, wobei für den Artikel die Stellen- anzeigen der Online-Jobbörse des Arbeitsmarktservices AMS-ejob-Room im Zeitraum Jänner 2017 bis Mai 2017 herangezogen werden. Die Autoren präsentieren anschließend ihre Untersuchungsergebnisse und resümieren, dass Green Jobs derzeit vor allem von Handwerksberufen mit erhöhtem Automatisierungsrisiko sowie von Normalarbeitsverhältnissen geprägt sind und dass bei Stellenanzeigen für Green Jobs im Rahmen des AMS-ejob-Room eine auffällige ungleiche geografische Verteilung nach Bezirken zu registrieren ist.

Die Wirkungsmessung von Nonprofit-Organisationen ist Thema des Artikels von Ruth Simsa. Die Autorin stützt sich dabei auf Befunde internationaler Literatur und auf 14 Studien, die sie selbst und ihre MitarbeiterInnen in den letzten Jahren in Österreich durchgeführt haben. Nach einer Erläuterung der Relevanz von Wirkungsmessung und ihrer Hintergründe – gemeinnützige Nonprofit-Organisationen sehen sich demzufolge einem steigenden öffentlichen Druck ausgesetzt, die Wirkung ihrer Aktivitäten zu messen und zu monetarisieren, um ihre Finanzierung sicherzustellen – werden fokussiert auf eine derzeit besonders häufig angewendete Methode, die Social-Return-on-Investment- Analyse, Potenziale und Grenzen von Wirkungsmessung diskutiert. Simsa argumentiert abschließend, dass Wirkungsmessung immer auch von Interessenlagen und Aushandlungsprozessen geprägt ist, die die Auswahl der erfassten Indikatoren mitbestimmen – Wirkungsmessung kann sowohl dazu führen, dass die gesellschaftliche Wertschätzung der Arbeit gemeinnütziger Organisationen steigt, als auch zur Folge haben, dass monetär nicht messbare Aktivitäten nicht bzw. unzureichend erfasst werden und dies zu einer mangelnden bzw. nicht adäquaten Wertschätzung gemeinnützigen Engagements führt.