Facebook





Aktuelles Heft: OFFENES HEFT - Editorial

Die SWS-Rundschau trägt ab 2019 den neuen Namen „Sozialwissenschaftliche Rundschau“: Einerseits wird damit der interdisziplinäre Anspruch der Zeitschrift stärker zum Ausdruck gebracht (etwa im Sinn einer Rundschau über Beiträge aus unterschiedlichen sozialwissenschaftlichen Disziplinen), andererseits soll dies auch einen Neuanfang symbolisieren. Die bisherige Kurzbezeichnung „SWS-Rundschau“ wird beibehalten – stand „SWS“ bislang für die frühere Herausgeberin der Zeitschrift (die Sozialwissenschaftliche Studiengesellschaft), so ist „SWS“ nunmehr das Akronym des Worts „Sozialwissenschaftliche“. Die Beibehaltung der Kurzform soll jedoch auch die Kontinuität der SWS-Rundschau, unabhängig von der Herausgeberschaft, ausdrücken – die Bezeichnung der Website www.sws-rundschau.at bleibt ebenfalls gleich.

Auch das von David Jablonski neu gestaltete Cover soll einen Neuanfang symbolisieren – das Cover jeder Ausgabe hat eine eigene Farbe: Heft 1 grün, Heft 2 rot, Heft 3 gelb und Heft 4 blau. Statt der bisher am Cover platzierten vollständigen Titel der Beiträge werden nun Kurztitel angeführt, um prägnant die jeweiligen Themen der Beiträge vorzustellen.

Die Sozialwissenschaftliche Rundschau wird 2019 vom mandelbaum verlag produziert, der Layout, Satz und Druck übernimmt bzw. in Auftrag gibt. Typographie und Layout werden im Wesentlichen beibehalten.

Die Redaktion wird sich weiter darum bemühen, sowohl Schwerpunkthefte als auch offene Hefte zu publizieren. Die Hefte sollen wie bisher Artikel, fallweise (kürzere) Forschungsnotizen und Kommentare sowie Rezensionen in der Rubrik „Bücher – Aktuell“ umfassen. Bildstatistiken werden künftig nicht mehr in jeder Ausgabe, sondern nur mehr fallweise enthalten sein, etwa im thematischen Zusammenhang mit bestimmten Artikeln und Forschungsnotizen. Die Bildstatistiken können aber auch weiterhin Meinungsforschungsergebnisse der SWS oder anderer Organisationen dokumentieren, wenn dies das Profil eines Heftes inhaltlich gut abrunden kann.

Nr. 1/ 2019 ist ein „offenes Heft“ mit Beiträgen zu unterschiedlichen Themen.

Hans Holzinger setzt sich kritisch mit den von der UNO 2015 beschlossenen Sustainable Development Goals, den Zielen für eine nachhaltige Entwicklung, auseinander: Er argumentiert, dass der Wachstumspfad des Konsumkapitalismus beibehalten wird und andere Ansätze, die sich an einer Postwachstumsökonomie, einem „guten Leben“ (soziales, ökologisches und kulturelles Gemeinwohl) oder an Suffizienz (Auskommen mit dem Ausreichenden) orientieren, nicht berücksichtigt werden.

Julia Hofmann und Hilde Weiss fragen danach, wie stabil die Klassen- und Vermögensverhältnisse in Österreich sind. Ausgehend von theoretischen Klassenbegriffen und gestützt auf das empirische Konzept der Klassenlage von Erikson/ Goldthorpe/ Portacero analysieren sie Ergebnisse der Household Finance and Consumption Surveys 2010 und 2014. Die Autorinnen konstatieren, dass Klassen- und Vermögensverhältnisse (mit ausgeprägten Differenzen) relativ stabil sind und zeigen auch unterschiedliche Einstellungen zu Reichtum und damit verbundene mögliche Gefahren für Demokratie auf.

„Arbeit und Beschäftigung von arbeitsmarktfernen Menschen mit Behinderungen in Oberösterreich“ ist Thema des Artikels von Angela Wegscheider und Melanie Schaur. Die Autorinnen untersuchen auf Basis qualitativer Interviews, ob die normativen Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention bei der Umsetzung von Beschäftigungsverhältnissen und Leistungen des Oberösterreichischen Chancengleichheitsgesetzes erfüllt werden. Sie resümieren, dass dies überwiegend nicht der Fall ist, und arbeiten mit ihrer Kritik auch Ansätze für weiterführende Diskussionen heraus.

Shila Nourzad untersucht in ihrer qualitativen Fallanalyse zweier österreichischer Nischenunternehmen (Spezialisierung im Hinblick auf KonsumentInnen, Produkte und eine regionale Konzentration der Produktion), wie sich deren Wachstum auf formale, soziale und kulturelle Unternehmensstrukturen und -ebenen auswirkt. Die Autorin bezieht sich dabei auf Max Webers Theorie der Rationalisierung und George Ritzers Theorie der McDonaldisierung (Prinzipien: Effizienz, Berechenbarkeit, Kontrolle und Vorhersagbarkeit). Sie arbeitet heraus, dass die Sonnentor Kräuterhandels GmbH und die Waldviertler Werkstätten GmbH mit Individualisierung und Integration eigener Wertvorstellungen in ihre Organisationen rationalisierte und mcdonaldisierte Unternehmensstrukturen erfolgreich an ihre Bedürfnisse angepasst haben.

Christiane Atzmüller, Ulrike Zartler und Ingrid Kromer fragen in „Online-Held*innen gibt es nicht?“, was 14- bis 19-jährige Jugendliche an Zivilcourage im Internet hindert. Nach einem Überblick zum internationalen Forschungsstand über Jugendliche, die digitale Gewalt an anderen Jugendlichen als Online-Bystander beobachten und wahrnehmen, analysieren die Autorinnen auf Basis geschlechterheterogener wie -homogener leitfadengestützter Gruppendiskussionen mit Mädchen und Jungen in Wien unterschiedliche Kontextbedingungen, die zivilcouragiertes Verhalten im Zusammenhang mit digitaler Gewalt verhindern bzw. ermöglichen: Die Bereitschaft, Verantwortung für Interventionen zugunsten von Online-Gewalt betroffener Jugendlicher zu übernehmen, ist gering. Die Autorinnen formulieren daher Handlungsempfehlungen für die praktische Präventionsarbeit mit jugendlichen Online-Bystandern.