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Aktuelles Heft: »Offenes Heft« - Editorial



Heft 1/ 2017 ist ein »offenes Heft« ohne Schwerpunktthema.

Der Beitrag von Petra Aigner dokumentiert eine empirische statistische Landkarte (ein »Mapping«) von ethnischen Ökonomien in Österreich, d. h. von Personen mit Migrationshintergrund, die in Österreich eine selbstständige Erwerbstätigkeit ausüben. Das Datenmaterial der Statistik Austria, der EU-Statistikbehörde EUROSTAT und der Wirtschaftskammer Österreich wird differenziert nach verschiedenen Aspekten, auch im Vergleich mit den österreichischen selbstständig Erwerbstätigen ohne Migrationshintergrund und zum Teil im Zeitverlauf von 2003 bis 2015 analysiert. Abschließend erfolgt eine Interpretation mit Bezug zu migrations- und wirtschaftssoziologischen Modellen bzw. Theorien zu ethnischen Ökonomien, insbesondere zum sogenannten Reaktionsmodell.

Peter Biegelbauer und Sandro Kapeller untersuchen in ihrem Artikel, wie Bürge-rInnen in Niederösterreich in lokale demokratische Entscheidungsfindungsprozesse über Windkraftprojekte eingebunden werden. Die Autoren erläutern zu Beginn unterschiedliche demokratietheoretische Modelle von Mitbestimmung, und zwar jene ­partizipativer, direkter Demokratie sowie jene deliberativer Demokratie (d. h. dialogorientierter Verfahren) und stellen zunächst die Rahmenbedingungen direkter Demokratie in Österreich vor. Die sechs Fallstudien werden danach in Bezug auf aus der demokratietheoretischen Diskussion gewonnene Kriterien interpretiert. Biegelbauer und Kapeller resümieren, dass die untersuchten Entscheidungsfindungsprozesse aus deliberativ-demokratietheoretischer Sicht als gescheitert betrachtet werden können und formulieren abschließend Überlegungen zur besseren Verankerung dialogorientierter Verfahren im Rahmen demokratischer Prozesse und Institutionen.

Gabriele Melischek und Josef Seethaler erörtern, inwiefern in der medialen ­Berichterstattung über die österreichischen Nationalratswahlkämpfe von 2002 bis 2013 ein Gender-Bias im Sinn einer Unterrepräsentation von Kandidatinnen festgestellt werden kann. Nach einer Darstellung des internationalen Forschungsstandes wird das österreichische Datenmaterial mit Fokus auf den Hauptnachrichtensendungen des ­Österreichischen Rundfunks »Zeit im Bild« analysiert. Unter Anwendung multivariater statistischer Verfahren und unter Zuhilfenahme verschiedener Kriterien von Modellen der Medien- und Parteienlogik werden Einflussfaktoren auf die mediale Sichtbarkeit von KandidatInnen für den Nationalrat herausgearbeitet. Die AutorInnen kommen zum Schluss, dass sich in der untersuchten österreichischen Fernsehberichterstattung ein deutlicher Gender-Bias zeigt, was u. a. auf die vor allem Männer als Kandidaten bevorzugende PR-Arbeit der politischen Parteien zurückgeführt wird.

Junge Frauen und Männer als Betroffene von sexueller Belästigung in Ausbildung und Beruf sind Thema des Forschungsberichts von Birgitt Haller. Nach einer knappen Erörterung des unterschiedlichen Begriffsverständnisses von sexueller Belästigung in internationaler Literatur erläutert die Autorin, welches Begriffsverständnis von sexueller Belästigung der im Forschungsbericht dokumentierten qualitativen österreichischen Studie, der ersten ihrer Art in Österreich, zugrunde liegt. Das auf Basis von Fokusgruppen, Gruppendiskussionen und Einzelinterviews in Wien gewonnene empirische Datenmaterial wird in Bezug auf die in den Diskussionen und Interviews behandelten Themen ­analysiert. Haller zeigt in ihrem Resümee auch mögliche Maßnahmen für Prävention und Opferschutz im Kontext sexueller Belästigung auf.

Kai-Uwe-Hellmann befasst sich in einem Literaturüberblick mit internationaler Forschung zum Konsum älterer Menschen (65+), mit dem sogenannten SeniorInnenkonsum. Für die Recherche wurden Literaturdatenbanken, Google Scholar und Bibliographien im Rahmen von Publikationen herangezogen und dabei mehr als 700 Veröffentlichungen erfasst. Hellmann differenziert zwischen Konsum im engeren Sinne als Aktivitäten rund um das Einkaufen sowie Konsum im weiteren Sinne als Verbrauchsakten zur umfassenden Bedürfnisbefriedigung durch Sach- oder Dienstleistungen. Der Beitrag dokumentiert den Stand der Forschung zu SeniorInnenkonsum auf Basis dieser Unterscheidung für verschiedene Dimensionen und Themenbereiche und plädiert ­abschließend dafür, in der Forschung (SeniorInnen-) Konsum im weiteren Sinne mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

Eine kurze Forschungsnotiz von Patrick Horvath und Reinhold Gutschik informiert unmittelbar vor den SWS-Bildstatistiken über das von der Oesterreichischen Nationalbank unterstützte Projekt »Sparen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten«.